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Kamil ULDALAG.

Kamil ULDALAG.

MAX PLANCK INSTITUTE

Im Anschluss an Bacon können die Naturwissenschaften durch ihre lokalen Veränderungskräfte gekennzeichnet werden. Ausserdem abstrahieren sie notwendig von Geschichte und Gesellschaft. In dem Konzept von der Produktivkraft der Arbeit nimmt Marx die Impulse von Bacon auf Er identifiziert aber den wissenschaftlichen Fortschritt nicht init-dern gesellschaftlichen Fortschritt und reichert den Blick zum einen durch die zerstörischen Seiten des naturwissenschaftlichen Fortschrittes und zum anderen durch gesellschaftliche Formbestimmungen in dem Begriff der allgemeinen Arbeit an. Nach Marx ist die wissenschaftliche Arbeit neben der Verinderung der gesellschaftlichen Verhältnisse eine Bedingung für die Selbstverwirklichung der Subjekte, für ihre Freiheit.

Mit der Marxschen Unterscheidung von Form und Inhalt werden allgemeine soziale Inhalte von historischen Gegebenheiten von ihren speziellen Ausformungen und Herrschaftsfunktionen analytisch getrennt. Es sollen neben der bestimmten herrschaftlichen Existenz dieser Inhalte eine andere Existenzform gedacht werden können.

Zwei entgegengesetzte Ansätze berücksichtigen diese Unterscheidung nicht: die Naturalisierung und das Anwendungsparadigma. Die Naturalisierung bedeutet, dass die "Regulierung der Naturkräfte" schon immer herrschaftlich ist. In dem Anwendungsparadigma wird eine scharfe Grenze zwischen den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und ihrer technischen Anwendung gezogen. Die herrschaftliche Form ist dem naturwissenschaftlichen Inhalt äusserlich. Die Konsequenzen der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und der technischen Realisierungen sind nicht nur eine Frage der Anwendungen in einer bestimmten gesellschaftlichen Form, sie müssen auch in ihrer Materialität unabhängig von der gesellschaftlichen Form diskutiert werden.

Eine endgültige Antwort, welche naturwissenschaftlichen Erkenntnisse gesellschaftlich fortschrittlich sind und welche nicht, wird sich nicht geben lassen. Der lokale Charakter der Naturwissenschaften muss durch globale Fragen ergänzt werden. Von ihren Fragen aus, muss sich eine neue wissenschaftliche Arbeitsteilung konstituieren. Der ahistonsche Charakter kann durch die Einbeziehung der Zeitdimension durch die Wisenschaften kompensiert werden. Dadurch müssen sie zum einen die Irreversibilität der Prozesse berücksichtigen und zum anderen langfristige Folgeeffekte ihrer Taten einbeziehen. Der agesellschaftliche Charakter wird abgeschwächt durch die Orientierung auf das menschliche Glück als Ethos der 'Wissenschaftler. Ausserdem ist eine die Demokratisierung der Wissenschaften notwendig. Diese Elemente geben keinerlei Garantie, dass naturwissenschaftliche Fortschritte eine Verbesserung der Lebenszustäride der Menschheit bringen oder ob sie nur weitere Katastrophen produzieren werden. Die Entscheidung wird zeitweilig von den bestimmten Inhalten ihrer Fortschritte und von den sozialen Kräfteverhältnissen bestimmt werden.